Berufsflucht hausgemacht? Schlüsselfaktor Arbeitsbedingungen in der Pflege

Dieser Frage des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung gingen am 17. Oktober 2018 etwa 150 Gäste nach und erfuhren mehr zu den Schlüsselfaktoren guter Arbeitsbedingungen in der Pflege. Über Fragen, wie in der Praxis gute Arbeitsbedingungen geschaffen werden können oder was konkret zur Arbeitszufriedenheit beiträgt, diskutierten die geladenen Expertinnen und Experten und unterstrichen dabei die Relevanz eines wertschätzenden Führungsstils.

 

In einem Kurzfilm gewährten Pflegekräfte zunächst Einblicke in ihren Arbeitsalltag und sprachen über ihre Wünsche hinsichtlich möglicher Veränderungen der Arbeitsbedingungen. Im Anschluss schilderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seiner Rede anschaulich seine Erfahrungen, die er bei Besuchen von Pflegeeinrichtungen gemacht hat und verwies auf die aktuellen Vorhaben der Bundesregierung, mit dem Sofortprogramm Pflege und der Konzertierte Aktion Pflege dem Fachkräftemangel zu begegnen.

 

Prof. Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg machte deutlich, woran gute Arbeitsbedingungen erkennbar sind. Demnach hängt eine erfolgreiche Personalarbeit in der Langzeitpflege von 14 konkreten Schlüsselfaktoren ab. Bei der nachfolgenden Podiumsdiskussion schilderten Führungskräfte ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen sowie dem Krankenhaus, wie sie gute Arbeitsbedingungen bei sich etablieren konnten und welche Effekte dies hatte.

 

So berichtete Stefanie Freimuth-Hunfeld, deren Pflegedienst Unterems in Papenburg mit dem Häusliche Pflege Innovationspreis 2017 ausgezeichnet wurde, wie durch die Bildung kleiner Teams mit regionalem Fokus die Mitarbeiterzufriedenheit und die Bindung an das Unternehmen erhöht werden konnte. Manfred Zwick, Stiftsdirektor Kuratorium Wohnen im Alter Albstift Aalen, riet dazu, mehr auf die Ideen und Vorschläge der Mitarbeiter einzugehen. Mit seinem Slogan „Wer am besten spinnt, gewinnt“ gibt er den nötigen Raum, um kreative Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Martin Gaedt, Autor und Unternehmer, stimmte dem zu, dass es neuer Ideen bedarf, um den Pflegeberuf wieder als attraktiven Arbeitsbereich für junge Menschen wahrzunehmen und zog Parallelen zu anderen Branchen und Bereichen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Prof. Thomas Klie plädierte dafür, dass innovative Konzepte schneller in die Regelversorgung übernommen, die Finanzierung gesichert und vor allem die Regionalität stärker gedacht werden müsse. Sabine Richter vom Universitätsklinikums Schleswig-Holstein beschrieb anschaulich, wie sie mit ihrem Arbeitszeitmodell „3-3“ (3 Tage arbeiten, 3 Tage frei) versuchen will, die Fachkräfte in der Region zu halten und gab interessante Einblicke, wie positiv der Pflegeberuf in Schweden aufgestellt ist.

 

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus zog anhand dieser Beispiele eine positive Bilanz und forderte von anderen Arbeitgebern ebenso viel Mut und Kreativität bei der Gestaltung ihrer organisatorischen Rahmenbedingungen. Um insbesondere kleine und mittelständige Pflegeunternehmen dabei auch zu unterstürzten, gab er am Ende der Tagung den Startschuss für das „Projekt zur Umsetzung guter Arbeitsbedingungen in der Pflege. Konkret sollen Schulungen zu bewährten Instrumenten für gute Arbeitsbedingungen angeboten werden, um Führungskräfte zu befähigen, diese bei sich zu implementieren. Dazu sollen in einem Pretest 25 Pflegeeinrichtungen bei der Umsetzung neuer Prozesse für bessere Arbeitsbedingungen intensiv begleitet, angeleitet und unterstützt werden. Sind positive Effekte messbar, ist ein bundesweites Rollout geplant.

 

Bei einem abschließenden Get-together hatten die Teilnehmer Gelegenheit zum weiteren Austausch. Als wesentliche Botschaft der Veranstaltung nahmen die Gäste mit, dass es bereits heute schon diverse Möglichkeiten gibt, die Arbeitsbedingungen in der Pflege positiv zu beeinflussen.

 

Fotos und weitere Informationen zu der Veranstaltung finden sie hier:

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