Wie kann Gewalt in der Pflege angemessen begegnet werden, wie können Pflegebedürftige und Pflegepersonen verlässlich, kompetent, unabhängig und besser unterstützt werden?

Gewalt in der häuslichen Pflege vermeiden: Pflegehaushalte müssen endlich die benötigte frühzeitige Unterstützung bekommen.

 

Mit der eigenen Pflegebedürftigkeit oder der eines Angehörigen umzugehen, ist oft nicht einfach. Viele pflegende Angehörige kommen an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Eine vom Pflegebevollmächtigten geförderte Untersuchung der Goethe-Universität Frankfurt/Main zeigte auf, dass es in der häuslichen Pflege nicht nur in Einzelfällen zu Versorgungsmängeln und sogar Gewalt kommt.

 

Darüber gesprochen wird aber kaum. Deshalb haben der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) das Thema in der Veranstaltung „Überforderung in der häuslichen Pflege von Anfang an vermeiden“ aufgegriffen und gemeinsam mit Betroffenen und Expertinnen und Experten darüber diskutiert, wie die häusliche Pflege am besten gestärkt werden kann.

Dabei wurde klar: Es gibt bereits heute gute Angebote, unter anderem von Pflegekassen, Kommunen, der Selbsthilfe und der Seniorenorganisationen mit ausgezeichneter Beratung und Begleitung. Aber diese Angebote stehen meist nicht flächendeckend zur Verfügung. Oft wird diese Hilfe erst zu spät gefunden oder angenommen. Dabei wären frühzeitige Beratung und Unterstützung der Schlüssel zur Prävention.

 

„Wenn es uns gelingt, frühzeitig die Türen für Unterstützung zu öffnen, dann werden Pflegebedürftige und ihre Familien entlastet“, sagte der BAGSO-Vorsitzende Franz Müntefering. „Die Kommunen sollten ihren älteren Bürgerinnen und Bürgern diese aufsuchende Beratung und Unterstützung anbieten – nicht erst bei bestehender Pflegebedürftigkeit.“

 

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus stellte seinen Vorschlag vor, zur zielgenauen Stärkung der häuslichen Pflege einen Ko-Pilot (Koordination-Pflege im Lot) in Form wiederholter aufsuchender Begleitung und Beratung zu etablieren: „Unabhängige, hochqualifizierte Pflege Ko-Piloten könnten Pflegebedürftige und Pflegepersonen unterstützen und vertrauensvoll auf die Aufgaben und mögliche Konflikte vorbereiten.“ Der Pflege Ko-Pilot soll so Pflegebedürftigen und Pflegepersonen ermöglichen, ihre Bedürfnisse und Belange ins Gleichgewicht, ins Lot zu bringen und möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden zu führen.

 

Der Pflegebevollmächtigte: „Angelehnt ist diese Idee an die bereits bewährten Beratungs- und Betreuungsgespräche durch Hebammen bei den frischgebackenen Eltern. Ich habe aktuell ein Gutachten in Auftrag gegeben, wie die derzeitigen verpflichtenden Kontrollbesuche für Pflegegeldempfänger zu präventiven Ko-Pilot-Besuchen ausgebaut werden können. Die Ergebnisse erwarte ich für Anfang nächsten Jahres.“

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