Positionspapier: Mehr PflegeKRAFT

Maßnahmen für gute und verlässliche Pflege

 

Der sich selbst beschleunigende Pflegekraft-Exit muss schnellstmöglich durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Pflegekräfte gestoppt und umgekehrt werden. Die Regierungskoalition hat dies erkannt und wird gemäß dem Koalitionsvertrag ein „Sofortprogramm Pflege“ auflegen.

 

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus: Es kommt jetzt darauf an, Pflegefachkräfte, die den Beruf verlassen haben, in die Pflege zurück zu holen und Pflegefachkräften, die aktuell in Teilzeit arbeiten, Anreize zu geben, ihre Arbeitszeit aufzustocken. Eine nachhaltige Wirkung kann das aber erst dann haben, wenn Pflegefachkräfte auch künftig und langfristig ihren erlernten Beruf zufrieden ausüben können. Dazu müssen wir Maßnahmen zur Gewinnung von Fachkräften verbinden mit Maßnahmen, die die Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig verbessern. Als Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung möchte ich einen Beitrag zu dieser Diskussion leisten:

 

Als erste und kurzfristig vielleicht auch wichtigste Maßnahme schlage ich Prämien für Pflegefachkräfte vor. Denn die Pflege braucht jetzt sofort mehr Pflegefachkräfte. Attraktive, steuerfreie Prämien können einen Anreiz setzen, eine Tätigkeit in der Pflege aufzunehmen oder sie auszubauen. Die Prämien sind ohne Kostenbeteiligung der Pflegebedürftigen zu finanzieren und könnten z.B. auch steuerfinanziert werden. Für sinnvoll halte ich:

 

• 5.000 € für Berufsrückkehrer u. anteilige Beträge für Teilzeitkräfte, die Arbeitszeit aufstocken,
• 3.000 € für Ausbildungsabsolventen und
• 3.000 € für Einrichtungsbetreiber.

 

Transparente Voraussetzungen und eine Weiterbildungsverpflichtung im Umfang von mindestens vier Tagen pro Jahr sollen dafür sorgen, dass die Prämien tatsächlich zu mehr Pflegekräften am Bett und besseren Arbeitsbedingungen führen. Damit würden für Pflegekräfte wie für Pflegebedürftige die Verbesserungen spürbar sein.

 

Pflegefachkräfte sollen aber auch entlastet werden. In einem auf drei Jahre befristeten Flächenmodell können Pflegefachkräfte die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich auf 80 % zu reduzieren bzw. aus der Teilzeit kommend aufzustocken. In der freien Zeit darf keine Nebentätigkeit ausgeübt werden, sie soll der Regeneration dienen. Das Arbeitsmodell 80:20 zielt auf die Gesundhaltung der Pflegekräfte. In Schweden wurden bereits positive Erfahrungen damit gemacht – Krankheitstage wurden reduziert und die Motivation der Pflegekräfte verbessert. Das wirkt einer Berufsflucht entgegen. Ich bin davon überzeugt, dass die damit verbundenen positiven Kosteneffekte auch in Deutschland messbar sein werden. Das Modell sollte deshalb evaluiert werden. Kurzfristige Mehrkosten der Einführungsphase dürfen nicht bei den Pflegebedürftigen verbleiben.

 

Pflege braucht vor allem aber auch gute und moderne Arbeitsbedingungen. Kostenträger, ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen sollen deshalb die Möglichkeit erhalten, mit Zuschlägen außerhalb der Pflegevergütung die Einführung innovativer Konzepte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch finanziell zu fördern. Die Zuschläge zu den Pflegevergütungen sollten ähnlich der zusätzlichen Betreuungskräfte direkt von den Pflegekassen ohne Kostenbeteiligung der Pflegebedürftigen vollständig getragen werden.

 

Ein Punkt, der mir sehr am Herzen liegt, und den ich auch als Maßnahme fordere, ist die Übertragung heilkundlicher Aufgaben. Pflegefachkräfte sind, wie der Name sagt, Pflegeprofis. Sie sind keine Handlanger und können weit mehr als An- und Verordnungen ausführen. Deshalb ist es an der Zeit, ihnen – natürlich unter Maßgabe konkreter Qualifikationsan-forderungen – gezielt heilkundliche Aufgaben zu übertragen. In Betracht kommen insbesondere Aufgaben im Bereich der Versorgung chronischer Wunden, spezifischer Infusionstherapien und der Versorgung von Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2. Die mit diesen Aufgaben verbundene Verantwortung wird dem modernen Pflegeberuf gerecht und stärkt seine Attraktivität und Autonomie.

 

Und vor allem müssen wir ausbilden, ausbilden, ausbilden! Ohne eine Stärkung der Ausbildung in der Pflege wird sich der Fachkräftemangel nicht eindämmen lassen. Neben dem neuen Pflegeberufegesetz kommt es dabei auch darauf an, für die Arbeitgeber Anreize zur Ausbildung zu setzen. Einrichtungsbetreiber sollen Ausbildungskonzepte „von der Assistenz bis zum Master“ entwickeln. Um dies zu fördern und mehr Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen, soll der Kostenanteil der Pflegeeinrich-tungen an der neuen Pflegeausbildung gesenkt werden. Das kommt auch den Pflegebedürftigen zugute, denn dadurch sinken die Pflegesätze.

 

www.mehrpflegekraft.de

 

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