Pflege & Corona: Jetzt die richtigen Schlüsse ziehen!

Pflegebevollmächtigter fordert, Pflegebedürftige und pflegende Angehörige mit ihren Bedürfnissen in den Fokus zu nehmen.

Die Corona-Pandemie hat allen viel abverlangt, oft zu viel, und das trotz des enormen Engagements aller Beteiligten sowie des schnellen Gestaltungswillens bei Gesetzgeber und Bundesregierung. Aber wir haben auch gemerkt, wir sind nicht mehr hilflos – gerade wenn alle an einem Strang ziehen. Das war für viele eine gute Erfahrung.

 

Allerdings ist es in der ersten Welle der Pandemie zu deutlichen Verschlechterungen der psychischen und physischen Gesundheit bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der stationären Pflegeeinrichtungen gekommen. Pflegende Angehörige waren durch die Reduzierung und Schließung von Betreuungsangeboten häufig auf sich allein gestellt und mussten in der Pandemie ohne professionelle Unterstützung große Herausforderungen meistern. Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung fordert deshalb in einem Positionspapier dazu auf, für die jetzt laufende 4. Welle der Pandemie die richtigen Schlüsse zu ziehen.

 

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus: „Pflegebedürftige und pflegende Angehörige müssen nicht nur mit ihrer Schutzbedürftigkeit, sondern vor allem mit ihren Bedürfnissen in den Fokus genommen werden. Konkret heißt das, dass Tages-, Kurzzeit- und Verhinderungspflege für Betroffene und pflegende Angehörige so weit wie möglich verfügbar bleiben müssen. Pflegebedürftige und pflegende Angehörige dürfen in der häuslichen Pflege nicht alleingelassen werden. Und in den stationären Pflegeeinrichtungen ist nicht akzeptabel, wenn Besuche, gesellschaftliche Teilhabe und Selbstbestimmung durch übermäßige Einschränkungen erschwert werden. Die hohen Impfquoten gerade in stationären Pflegeeinrichtungen bieten dafür die Lösung.“

 

Der Pflegebevollmächtigte fordert deshalb die Verantwortlichen vor Ort in den Ländern und Einrichtungen auf, Corona-Schutzmaßnahmen und Besuchs- und Teilhaberegelungen auf ihre Notwendigkeit und Angemessenheit zu überprüfen. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in der Vergangenheit mit seiner Expertise praxisnahe und konkrete Hinweise gegeben, welche Maßnahmen notwendig sind. Auch diese müssen immer wieder aktualisiert werden.

 

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung betont: „Denn unabhängig von einer Pandemie ist erste und wichtigste Aufgabe aller Beteiligten, Selbstbestimmung, Teilhabe und Würde in der stationären und in der häuslichen Pflege zu verwirklichen. Daran müssen sich Politik, Kostenträger und Leistungserbringer jetzt und auch in Zukunft messen lassen.“

 

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