Intensivpflege in Deutschland gefährdet

Aufgrund der Arbeitsbedingungen spielen zahlreiche Pflegende mit dem Gedanken, aus ihrem Beruf auszusteigen. Das hätte natürlich katastrophale Folgen für unsere Gesundheitsversorgung. Um an diesem Befund etwas zu ändern, müssen sich die Bedingungen für Pflegekräfte jetzt ändern!

 

Die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) haben dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung ihre „Stellungnahme zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ überreicht, in der sie bessere Rahmenbedingungen für Pflegefachpersonen fordern.

 

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung: „Ich freue mich, dass Pflegekräfte und Ärzte sich zusammengetan haben und gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege eintreten. Ich selbst habe bereits vor dem Beginn der Konzertierten Aktion Pflege viele Ideen für gerechtere Entlohnung und attraktive Arbeitsmodelle eingebracht und setze mich stark für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege ein.“

 

DGF und DIVI fordern unter anderem:

 

• ein am Pflegebedarf orientiertes Personalbemessungsinstrument
• kreative und moderne Arbeitszeitmodelle
• Unterstützungsangebote für Mitarbeitende mit Familie oder pflegebedürftigen Angehörigen
• psychosoziale Unterstützungsangebote
• die Optimierung der interprofessionellen Teamarbeit
• die Entlohnung entsprechend der Qualifikation
• die Erweiterung der Kompetenzen für fachweitergebildete Intensivpflegende
• patienten- und pflegeferne Tätigkeiten sowie Bürokratie drastisch reduzieren

 

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus: „Die Forderungen der DGF und DIVI unterstütze ich vollends und werde diese in den politischen Raum tragen, damit der Umsetzung Nachdruck verliehen wird. Die in Tarifverträgen vereinbarten Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitmodelle müssen vollständig von den Kostenträgern refinanziert werden. Nur so wird es gelingen, die Flucht aus dem Pflegeberuf zu stoppen!“

 
Lothar Ullrich, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste: „Die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege müssen dringend verbessert werden. Bei dieser Forderung geht es um die Qualität der Versorgung und letztlich auch um die Patientensicherheit. Denn Intensivpatienten benötigen die Unterstützung durch hochqualifizierte Pflegende und sie profitieren unmittelbar davon. Auch brauchen wir ein deutliches Signal an die Pflegenden auf den Intensivstationen: dass sich eine Weiter-Qualifizierung lohnt, dass sie anerkannt wird und dass es dafür dann natürlich auch ein höheres Gehalt gibt.“

 
Prof. Gernot Marx, Präsident der DIVI und Klinikdirektor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen: „Wir wollen und müssen die Arbeitsbedingungen der Pflegenden verbessern und die Attraktivität des Arbeitsfeldes erhöhen. In der laufenden zweiten Welle oder auch beginnenden dritten Welle der Covid-19- Pandemie halten die Pflegenden derzeit aus Pflichtgefühl noch durch – aber was kommt danach? Einer aktuellen Umfrage zufolge tragen sich 32 Prozent der Pflegenden derzeit mit dem Gedanken, aus dem Beruf auszusteigen. Das darf auf keinen Fall passieren. Die jetzt aber sehr positiven Signale aus der Politik, jetzt unmittelbar gemeinsam mit uns in die Umsetzung der konkret skizzierten Maßnahmen zu gehen, stimmen uns sehr hoffnungsvoll.“

 
Prof. Felix Walcher, Präsident elect der DIVI und Klinikdirektor der Unfallchirurgie der Uniklinik in Magdeburg betont die dringende Notwendigkeit, den Pflegenden auf den Intensivstationen endlich die nachhaltige Unterstützung zukommen zu lassen, die seit vielen Jahren überfällig sei: „Die Pandemie hat die Situation des Pflegemangels nochmals erheblich verschärft und vor Augen geführt, wie fragil auch das deutsche Gesundheitswesen ist. Die exzellenten MitarbeiterInnen der Intensiv- und Notfallmedizin machen eine sehr wertvolle Arbeit, die gelegentlich aber auch psychisch extrem belastend ist.“ Daher sei auch die psychosoziale Unterstützung der interprofessionellen Teams ein wichtiges und zentrales Anliegen der DIVI.

 

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