Gesundheitskompetenz – ein Thema für die Pflege!

Welche Herausforderungen und Chancen das Thema Gesundheitskompetenz speziell für die Pflege bietet, diskutierten Expertinnen und Experten auf der heutigen gemeinsamen Veranstaltung des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus mit Frau Prof. Doris Schaeffer und dem Präsidenten des Deutschen Pflegerats e.V., Herrn Franz Wagner.

 

Gesundheitsinformationen richtig verstehen, beurteilen und anzuwenden ist für viele Menschen eine große Herausforderung. In Deutschland haben mehr als die Hälfte der Menschen eine unzureichende Gesundheitskompetenz, was sich stark auf ihre Lebensqualität auswirkt.

 

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus: „Patienten, Pflegebedürftige und deren Angehörige benötigen einen adressatengerechte Informationsbereitstellung und –vermittlung. Wir müssen hier alles tun, um sie zu unterstützen, sich in unserem Versorgungssystem zurechtzufinden und gesundheitsbezogene Entscheidungen selbstbestimmt treffen zu können.“ Pflegefachpersonen kommt dabei eine besondere Aufgabe zu, denn: „sie sind in allen Bereichen des Gesundheitssystems präsent und stehen in besonders engem Kontakt zu Patienten, Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Ihnen fällt somit eine Schlüsselrolle zu, Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz zu erkennen, zu unterstützen und zu befähigen“.

 

Laut Frau Professor Doris Schaeffer haben „insbesondere ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, mit geringem Bildungsstatus oder mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten, gesundheitsbezogene Informationen richtig einzusetzen und eine gezielte Entscheidung für eine gesunde Lebensweise oder Krankheitsbewältigung zu treffen“. Die Gesundheitswissenschaftlerin betonte, dass Gesundheitskompetenz grundsätzlich einen höheren Stellenwert im Gesundheitssystem einnehmen müsse und das Gesundheitssystem nutzerfreundlich gestaltet werden müsse. Dass der Pflege dabei eine besondere Rolle zukommt wurde ausdrücklich unterstrichen aber auch gezeigt, dass bestimmte Voraussetzungen erforderlich sind. Die aktuellen Pflegereformen bieten dazu etliche Ansatzpunkte.

 

Die Experten sind sich einig, dass die Zusammenarbeit und Verständigung aller Berufsgruppen im Gesundheitswesen verbessert werden muss, um Menschen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz wirkungsvoll zu unterstützen.

 

Franz Wagner, der vor Ort durch die Vizepräsidentin des Pflegerates, Frau Vogler, vertreten wurde: „Eine Stärkung der Gesundheitskompetenz setzt eine gute Kommunikation voraus. Die neue Pflegeberufeausbildung, die ab Januar 2020 startet, wird hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten, da Pflegefachpersonen verstärkt in diesem Bereich ausgebildet werden. Hier sollte auch ein Schwerpunkt auf die Vermittlung von Wissen zur Gesundheitskompetenz gelegt werden.“

 

Die Diskussion gab darüber hinaus viele Anregungen, wie Einrichtungen selbst gesundheitskompetent werden können, und Hinweise dazu, ob Gesundheitskompetenz künftig ein Indikator für die Qualität einer Einrichtung sein kann.

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