Projekt zur Umsetzung guter Arbeitsbedingungen in der Pflege

Hintergrund

 

Der Fachkräftemangel in der Pflege verschärft sich weiter: Aufnahmestopps in manchen Regionen bei ambulanten Pflegediensten werden zu einem zunehmenden Problem der Versorgungssicherheit für pflegebedürftige Menschen. Ein Hauptgrund für den Fachkräftemangel sind die verbesserungsbedürftigen Arbeitsbedingungen in der Pflege. Unzufriedenheit und Überforderung im Arbeitsalltag führen oftmals dazu, dass Fachkräfte in der Pflege in die Teilzeit ausweichen oder ganz aus dem Beruf ausscheiden. Um Pflegekräfte langfristig in der Pflege zu halten, muss sich etwas ändern. Einige Unternehmen haben es bereits geschafft, durch die konsequente Umsetzung wertschätzender Konzepte und die Umstrukturierung von Arbeitsprozessen ihre Mitarbeiter zu halten und neue Fachkräfte zu finden. Mittlerweile ist nahezu jedem Arbeitgeber klar, dass die Personalbindung und -gewinnung von einer hohen Arbeitszufriedenheit abhängt. Aber trotz dieses Bewusstseins und des breiten Angebots an Fachliteratur, Fortbildungen, Onlineplattformen und Best Practice Beispielen gelingt es vielen Unternehmern nicht, die Arbeitsbedingungen flächendeckend zu verändern.

 

Ein Grund könnte sein, dass insbesondere kleine und mittelständische Pflegeeinrichtungen nicht die nötigen personellen und zeitlichen Ressourcen bereitstellen (können), um eine Umgestaltung ihres Unternehmens vorzunehmen. Es scheint ihnen nicht möglich, sich im laufenden Betrieb gezielt mit den bereits vorhandenen Instrumenten auseinanderzusetzen und ihr Unternehmen im Alleingang zu analysieren und umzustrukturieren. Um hier Veränderungen herbeizuführen, bedürfte es einer maßgeschneiderten Organisationsberatung durch Dritte, die kleinere Unternehmen jedoch finanziell überfordern würde. Mit der Vergabe des Auftrags „Projekt zur Umsetzung guter Arbeitsbedingungen in der Pflege“ will der Pflegebevollmächtigte eine konkrete Unterstützung geben – für Unternehmen, die eine Veränderung wollen.

 

Auftragnehmer und Laufzeit

 

Das Projekt wurde in zwei Lose unterteilt und europaweit ausgeschrieben. Im Januar 2019 wurden die Zuschläge zur Durchführung des Projektauftrages (Los 1) der Curacon GmbH erteilt und dem BQS – Institut für Qualität und Patientensicherheit für die begleitende Evaluation (Los 2).

 

Die Ergebnisse des Projektes werden im November 2019 vorliegen und die Evaluation wird im Februar 2020 abgeschlossen sein. Im Anschluss soll das Konzept zur Einführung guter Arbeitsbedingungen flächendeckend in Deutschland ausgerollt werden.

 

Ziele und Fragestellungen des Projektes

 

Ziel des Projektes ist es, die Anwendung bereits entwickelter und bewährter Instrumente für gute Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig in der Praxis zu implementieren.

 

Die Zielgruppe sind ausschließlich kleine bis mittelständische Pflegedienste mit bis zu 80 Klienten bzw. 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei vollstationärer Pflege. Konkret werden leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Führungsverantwortung in den Unternehmen angesprochen. Das Projekt verfolgt das Ziel, Unternehmen, die bessere Arbeitsbedingungen umsetzen wollen, eine konkrete Unterstützung zu geben. Um den Bedarf von Pflegeunternehmen möglichst genau zu treffen und passende Instrumente zu bestimmen, müssen vom Auftragnehmer bereits veröffentlichte Studien zu Arbeitsbedingungen in der Pflege und Handlungsempfehlungen ausgewertet werden.

 

Dies beinhaltet die Entwicklung einer Implementierungsstrategie zum Pretest bei ca. 25 Unternehmen und einem späteren bundesweiten Rollout (separates Nachfolgeprojekt). Die leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Führungsverantwortung sollen durch praxisnahe Schulungskonzepte befähigt werden, die Implementierung von Maßnahmen und Instrumenten für gute Arbeitsbedingungen in der Pflege zu steuern und im eigenen Unternehmen durchzuführen. Dies umfasst keine Maßnahmen zur Gewinnmaximierung sondern ausschließlich solche, die die Arbeitszufriedenheit steigern, wie z. B. die Dienstplanstabilität durch Optimierung von Arbeitsprozessen (flexible Arbeitsbedingungen), ggf. Anpassung pflegerelevanter Führungskonzepte, die Etablierung von Angeboten der Gesundheitsförderung oder die gezielte Förderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Analysemethoden im Sinne des PDCA-Zyklus. Dies soll in enger Begleitung und Unterstützung durch den Auftragnehmer erfolgen. Generell sollen keine neuen Instrumente für gute Arbeitsbedingungen entwickelt, sondern bestehende und wirksame Instrumente verwendet werden. Daher wird erwartet, dass die Auftragnehmer ausführlich und nachvollziehbar begründen, warum welches Instrument ausgewählt wurde.

 

Durch die erfolgreiche Umsetzung des Projektauftrags sollen interessierte, kleine bis mittelständische Unternehmen befähigt werden, bessere Arbeitsbedingungen für ihre Pflegekräfte zu schaffen und keine Nachteile bei der Personalgewinnung und Personalbindung gegenüber größeren Unternehmen aufzeigen.

 

Beschreibung der konkreten Projektinhalte

 

Der Auftrag an die Curacon GmbH (Los 1) umfasst vier Arbeitspakete:

Konzeption, Schulungen, Pretest, Monitoring

  • Arbeitspaket 1 beinhaltet die Entwicklung eines Schulungskonzeptes sowie die Erstellung und die Anpassung eines Instrumentenkoffers zur Implementierung guter Arbeitsbedingungen in der Pflege.
  • Arbeitspaket 2 umfasst die Entwicklung einer Implementierungsstrategie und eine Ausarbeitung von Möglichkeiten einer späteren öffentlichen Förderung der teilnehmenden Unternehmen.
  • In Arbeitspaket 3 werden die Schulungen durchgeführt und anschließend die Instrumente durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Praxis übertragen.
  • Das Arbeitspaket 4 befasst sich ausschließlich mit einem Monitoring der Implementierung in der Praxis. Das beinhaltet eine intensive Begleitung, Anleitung und Unterstützung der Unternehmen bei der Umsetzung von neuen Prozessen für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.

 

Der Auftrag an BQS, die Begleitende Evaluation (Los 2) umfasst drei Arbeitspakete:

  • In dem Arbeitspaket 1 muss die begleitende Evaluation umfänglich vom Auftragnehmer konzipiert werden. Dies beinhaltet auch die Beschreibung von möglichen Herausforderungen und geeigneten Herangehensweisen/Abhilfemaßnahmen, damit eine erfolgreiche Durchführung sichergestellt werden kann. Zudem sollen evaluierbare Faktoren mit dem Auftragnehmer im Los 1 abgestimmt werden.
  • Das Arbeitspaket 2 beinhaltet die Durchführung der Evaluation. Die darin enthaltene Datenerhebung soll zeitlich parallel zur Implementierung der Instrumente für gute Arbeitsbedingungen in der Pflege erfolgen (Vorher-/Nachher-Vergleich) und unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Zielgruppen durchgeführt werden.
  • In Arbeitspaket 3 wird die Analyse der erhobenen Daten von veränderten (guten) Arbeitsbedingungen und Arbeitsprozessen bei den Unternehmen sowie eine Analyse der Konzeption und der Durchführung der Schulungen erwartet.

 

Weitere Hinweise und die Bewerbungsbedingungen finden interessierte Pflegeeinrichtungen hier [Externer Link].

zurück

Hier steht ein Alternativtext

Beratung und Hilfe für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen

Sie haben Fragen zur Pflege, sind selbst pflegebedürftig oder pflegen einen Angehörigen? Als Ratsuchende können Sie sich an viele unterschiedliche Institutionen wenden. Wir möchten Ihnen einige davon vorstellen.

mehr ...