Projekt zur Umsetzung guter Arbeitsbedingungen in der Pflege

Hintergrund

 

Der Fachkräftemangel in der Pflege verschärft sich weiter: Aufnahmestopps in manchen Regionen bei ambulanten Pflegediensten werden zu einem zunehmenden Problem der Versorgungssicherheit für pflegebedürftige Menschen. Ein Hauptgrund für den Fachkräftemangel sind die verbesserungsbedürftigen Arbeitsbedingungen in der Pflege. Unzufriedenheit und Überforderung im Arbeitsalltag führen oftmals dazu, dass Fachkräfte in der Pflege in die Teilzeit ausweichen oder ganz aus dem Beruf ausscheiden. Um Pflegekräfte langfristig in der Pflege zu halten, muss sich etwas ändern. Einige Unternehmen haben es bereits geschafft, durch die konsequente Umsetzung wertschätzender Konzepte und die Umstrukturierung von Arbeitsprozessen ihre Mitarbeiter zu halten und neue Fachkräfte zu finden. Mittlerweile ist nahezu jedem Arbeitgeber klar, dass die Personalbindung und -gewinnung von einer hohen Arbeitszufriedenheit abhängt. Aber trotz dieses Bewusstseins und des breiten Angebots an Fachliteratur, Fortbildungen, Onlineplattformen und Best Practice Beispielen gelingt es vielen Unternehmern nicht, die Arbeitsbedingungen flächendeckend zu verändern.

 

Ein Grund könnte sein, dass insbesondere kleine und mittelständische Pflegeeinrichtungen nicht die nötigen personellen und zeitlichen Ressourcen bereitstellen (können), um eine Umgestaltung ihres Unternehmens vorzunehmen. Es scheint ihnen nicht möglich, sich im laufenden Betrieb gezielt mit den bereits vorhandenen Instrumenten auseinanderzusetzen und ihr Unternehmen im Alleingang zu analysieren und umzustrukturieren. Um hier Veränderungen herbeizuführen, bedürfte es einer maßgeschneiderten Organisationsberatung durch Dritte, die kleinere Unternehmen jedoch finanziell überfordern würde.

 

Das Projekt des Pflegebevollmächtigten zielt darauf, kleine und mittelständische Pflegeeinrichtungen bei der Umsetzung besserer Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Dazu wurden in einem ersten Schritt bewährte Instrumente für gute Arbeitsbedingungen zusammengetragen und in sogenannte Leitfäden überführt. Diese wurden in einem Workshop mit den Verbänden diskutiert und reflektiert. Es entstand ein Instrumentenkoffer mit acht Handlungsfeldern, denen insgesamt knapp dreißig Leitfäden zugeordnet wurden. Die Leitfäden sind universell einsetzbar und autodidaktisch aufgebaut, d. h. sie geben Orientierung und sind eine Anleitung Veränderungsprozesse umzusetzen.

 

Auftragnehmer und Laufzeit

 

Die Zusammenstellung bewährter Instrumente für gute Arbeitsbedingungen, die Entwicklung eines Schulungskonzeptes und die Umsetzungsbegleitung waren Bestandteile von Los 1, das durch die Curacon GmbH als Projektnehmer umgesetzt wurde. Der vorliegende Abschlussbericht enthält auch Vorschläge für einen bundesweiten Rollout.

 

Los 2 umfasst die Evaluation von Los 1, also der Leitfäden, der Schulungen sowie der Umsetzungsbegleitung. Dazu mussten die teilnehmenden Einrichtungen zu verschiedenen Zeitpunkten strukturierte Fragebögen ausfüllen, so dass in einem Vorher-Nachher-Vergleich die Wirkungen darstellbar sind. Die Evaluation wurde durch das BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit durchgeführt. Die Ergebnisse liegen seit April 2020 vor und bestätigen die Wirksamkeit des Projektes.

 

Projektinhalte

 

Das Projekt, das mit 25 Einrichtungen getestet wurde, besteht aus 3 Teilen:

  • der Bedarfserhebung,
  • der Schulung im Umgang mit den Leitfäden und
  • der Umsetzungsbegleitung durch externe Berater.

 

1) Bedarfserhebung

Um die Handlungsnotwendigkeiten der einzelnen Pflegeeinrichtung zu identifizieren, wurde eine Bedarfserhebung mittels Strukturbefragung, Mitarbeiterbefragung und Führungskräfteinterviews durchgeführt und ausgewertet. Entsprechend den Rückmeldungen wurden dann für jede Einrichtung aus dem Instrumentenkoffer spezifische Leitfäden abgeleitet.

 

2) Schulung im Umgang mit den Leitfäden

Anschließend wurden die Führungskräfte in Kleingruppen zur Anwendung der Leitfäden geschult. Denn sie sollen/müssen eigenverantwortlich die Themen umsetzen.

 

3) Umsetzungsbegleitung durch externe Berater

Bei der Umsetzung der Leitfäden wurden die Führungskräfte an drei Terminen von externen Beratern vor Ort unterstützt, in denen z. B. (Umsetzungs-)Fragen beantwortet wurden, Schulungen mit dem Personal der Einrichtung stattfanden oder Führungskräftecoachings durchgeführt wurden. Im Projekt selbst wurden zwei Varianten getestet: zeitversetzte Beratertage (alle zwei Monate) und en-bloc-Termine (drei Tage am Stück).

   

Umsetzung in der Fläche

 

Aus seinen Erfahrungen mit den teilnehmenden Pilot-Einrichtungen hat der Projektnehmer bereits Empfehlungen für eine bundesweite Umsetzung skizziert. Unter anderem wird die en-bloc-Beratung verworfen, die Ausweitung des Umsetzungszeitraumes auf anderthalb Jahre und somit auch der Beratertage auf bis zu neun pro Einrichtung empfohlen. Daneben sind Vorschläge zur Beraterqualifikation, zum Train-the-Trainer-Ansatz, zu regionalen Ansprechpartnern, einer IT-Plattform etc. umrissen.

   

Diese Vorschläge wurden inzwischen auf ihre Machbarkeit unter Berücksichtigung der Effektivität und vorhandener Ressourcen bewertet. Dabei wurde sowohl die Wirksamkeit des Instrumentenkoffers mit seinem Schulungs-/Beratungskonzept als auch bessere Arbeitsbedingungen, wie gestiegene Mitarbeiterzufriedenheit etc. nachgewiesen.

 

In der Konzertierten Aktion Pflege 2019 haben die Träger- und Fachverbände der Pflege zugesichert, den Pflegebevollmächtigten bei einer flächendeckenden Umsetzung zu unterstützen. Ein Nachfolgeprojekt ist Corona bedingt nun für 2021 geplant.

   

Weitere Informationen

   

Die Präsentation des Projektes (Los 1) finden Sie hier,
ebenso den Abschlussbericht (Los 1) sowie eine Kurzzusammenfassung des Projektes.

Exemplarisch für alle 31 entwickelten Leitfäden finden Sie zum Themenfeld Arbeitsorganisation den Leitfaden „Stecktafel“ hier.

Den Evaluationsbericht (Los 2) finden Sie hier.

 

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